Finanztransaktionssteuer

Finanztransaktionssteuer – die Folgen für Wirtschaft und private Haushalte

7. Juni 2013

FinanztransaktionssteuerNach langem Hin und Her soll die Finanztransaktionssteuer nun in elf Ländern der Europäischen Union eingeführt werden. Damit wird für jeden Kauf einer Aktie, einer Anleihe oder eines Derivats ein bestimmter Betrag fällig. Die Politik verfolgt damit das Ziel, Banken und Hedgefonds künftig stärker an den Folgen der Finanzkrise zu beteiligen. Der Zeitplan sieht vor, dass die Finanztransaktionssteuer zum 01.01.2014 auch in Deutschland eingeführt wird. Die Bundesregierung hält diesen Zeitplan in jedem Fall für realistisch.

Finanztransaktionssteuer trifft auch private Sparer

Die große Frage ist, ob die Finanztransaktionssteuer wirklich nur wie beabsichtigt die Banken und Hedgefonds trifft. Vor allem aus Reihen der FDP werden Stimmen laut, wonach auch private Sparer von den Folgen der Finanztransaktionssteuer betroffen sind. In der Zwischenzeit durchgeführte Studien kommen zu demselben Ergebnis. Um die Sparer zu schützen, wurden für die Besteuerung relativ kleine Steuersätze festgelegt. Nach den Plänen sollen der Kauf und Verkauf von Aktien und Anleihen mit 0,1 Prozent und Derivate mit 0,01 Prozent versteuert werden. Wer nur selten Finanzgeschäfte tätigt, wird nur relativ gering belastet, bei Banken und Hedgefonds kommen dagegen stattliche Beträge zusammen.

Von der Finanztransaktionssteuer ausgenommen sind Sparbücher sowie der Abschluss von Versicherungsverträgen, Verbraucherkrediten und Hypothekendarlehen. Der Haken dabei ist, dass es bei einigen Finanzprodukten durchaus zu einer hohen Anzahl an Transaktionen kommt. Dies gilt beispielsweise für langfristige Anlagen wie Aktienfonds, die im Rahmen einer Altersvorsorge abgeschlossen werden. Nach einer Berechnung der Fondsgesellschaft Union Investment kommt es dabei zu erheblichen Belastungen für die Sparer. Bei einem Fonds mit einer Laufzeit von 30 Jahren beläuft sich der Verlust demnach auf 6,5 Prozent und bei 40 Jahren sind es gar satte 9,5 Prozent.

Oftmals ideologische Motive entscheidend

Sparer, die in den genannten Fonds monatlich 100 Euro einbezahlen kommen nach 40 Jahren bei einer angenommenen Rendite von 5 Prozent auf einen Betrag von 148.856 Euro. Angenommen der Fonds wird nun jährlich zu 90 Prozent umgeschichtet, dann fallen dabei hohe Steuerbeträge an. Aus den Erfahrungen der letzten fünf Jahre hält die Fondsgesellschaft diesen Prozentsatz für durchaus realistisch. Für den Sparer schmälert sich der Gewinn dadurch um 14.205 Euro, was eine ganze Menge ist.

Bei allen diesen Rechnungen sollte man jedoch nicht vergessen, dass die Finanztransaktionssteuer nach wie vor sehr umstritten ist und heftig diskutiert wird. Deshalb spielen bei solchen Berechnungen immer auch ideologische Motive eine Rolle. Werden nur einige Parameter verändert, sieht das Ganze schon wieder völlig anders aus. So hat beispielsweise der Finanzprofessor Max Otte eine Rechnung aufgestellt, nach der Sparer durch die Finanztransaktionssteuer weit weniger stark belastet werden. Danach verliert ein Sparer nach 20 Jahren gerade einmal 74,22 Euro. Wer nun wirklich recht hat, wird sich vermutlich erst nach Einführung der Finanztransaktionssteuer zeigen.

Folgen für die deutsche Wirtschaft

Noch weitaus schwerer könnten die Folgen für die deutschen Wirtschaftsunternehmen ausfallen. Besonders Unternehmen, welche sich über den Finanzmarkt refinanzieren würden, die Auswirkungen der Finanztransaktionssteuer zu spüren bekommen. Besonders bei größeren Unternehmen ist es durchaus üblich, dass diese sich über kurzfristige Geldmarktpapiere finanzieren, welche ebenfalls unter die Finanztransaktionssteuer fallen. Somit würde sich diese Variante im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen erheblich verteuern. Die Folgen wären ein sinkender Gewinn und somit auch geringere Einnahmen für den Fiskus. Zugleich befürchten Skeptiker ein Nachlassen der gesamten Wirtschaftskraft und damit verbunden langfristig ein geringeres Wirtschaftswachstum. Viele Unternehmen wären gezwungen, ihre Finanzierungsstruktur zu ändern und auf andere steuerfreie Finanzierungsalternativen auszuweichen. Für den Staat würde dann überhaupt keine Finanztransaktionssteuer mehr anfallen.

Fazit zur Finanztransaktionssteuer

Die Einführung einer solchen Steuer so gut gemeint sie auch ist, will in jedem Falle wohl überlegt sein. Neben positiven Auswirkungen für den Finanzmarkt muss auch mit unerwünschten negativen Nebenwirkungen gerechnet werden. Zudem macht die Finanztransaktionssteuer relativ wenig Sinn, wenn diese nur in einigen Ländern eingeführt wird. Spekulanten haben jederzeit die Möglichkeit ihre Geschäfte auf andere Börsenplätze zu verlagern, bei denen keine Steuerbelastungen anfallen. Dies führt zu einer verringerten Leistungsfähigkeit gerade der Finanzmärkte in Ländern wie Deutschland, die aufgrund hoher Lohnkosten auf die dringend auf Kapital angewiesen sind.

 

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